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Vom Fackellauf zum Spießrutenlauf

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Seit 1936 „kündigt der Fackellauf die Olympischen Spiele an und will gleichzeitig eine Botschaft des Friedens und der Verbundenheit der Völker untereinander vermitteln“ (Wikipedia).

Zur Olympiade 2008 in Peking dachten sich die Organisatoren wohl, damit die Friedensbotschaft von der Welt auch richtig vernommen wird, muss der längste Fackellauf aller Zeiten her. Nicht nur werden 21 Länder auf jedem Kontinent (ja auch der da unten) besucht, die armen Läufer (22.000 an der Zahl) müssen auch durch jede chinesische Provinz sei sie noch so staubig oder noch so besetzt.

Inzwischen wünschen sich die Betonköpfe in der chinesischen Regierung wahrscheinlich sie hätten beim Lauf auf den üblichen chinesischen Gigantismus verzichtet und sich an eine der fünf Tugenden des Konfuzius (Pietät, Loyalität, Rechtlichkeit, Zuverlässigkeit und Bescheidenheit) gehalten und einfach schwupps das Feuer aus Griechenland nach Peking gebracht. Leider ist man in China aber nur Bescheiden wenn es um Menschenrechte geht.

So wird das Demokratie- und Freiheitsverständnis des Führungslandes des 21. Jhd. 130 Tage lang in das Licht der Öffentlichkeit gerückt. Die perfekt organisierten und mit 40 Mrd. € teuersten Spiele aller Zeiten werden nun zu Recht zu einer perfekte Marketingkatastrophe. Und das ganze durch ein paar Mönche die wahrscheinlich über einen Etat verfügen mit dem man bei Olympia nicht mal Sponsor der Luftgewehrwettkämpfe werden könnte.

Während China bei ungefähr 1100 Mrd. $ Währungsreserven zumindest den finanziellen Schaden überstehenden dürfte, wird bei vielen Sponsoren ein Krisenmeeting das nächste jagen.

Boykott oder nicht Boykott, wird jetzt diskutiert. Die Befürworter argumentieren mit den vielen tausend Hinrichtungsopfern in China, mit Tibet, mit mangelnder Demokratie. Die Gegner des Boykotts mit dem Hinweis, dass ein Olympiaboykott in Moskau auch nicht zum demokratischen Wandel in der ehemaligen UDSSR beigetragen hätte und das er in 2008 auch keinen Wandel in China befördern würde sondern eher das Gegenteil.

Aber kann das überhaupt Ziel eine Boykotts sein? Sollen Olympische Spiele (die in Griechenland der Wiege der Demokratie entstanden sind) demokratischen Wandel herbeiführen, wenn sie es denn überhaupt können? Oder sollten Olympische Spiele nicht den Sportlern und Zuschauern gewidmet sein und für das ausrichtende Gastland eine Art Krönung für einen gutes, verantwortliches Mitglied in der Gemeinschaft der Nationen sein.

Welchen Wert haben solche Spiele noch für einen Sportler der sich ein Sportlerleben vorbereitet und wahrscheinlich auch gefreut hat, welchen Wert haben solche Spiele für Zuschauer und Sponsoren. Der Wert wird ähnlich hoch sein, wie der Wert einer Teilnahme am olympischen Fackellauf, der Läufer oder die Läuferin wird sich nicht als FriedensbotschafterIn fühlen sondern wie ein Spießrutenläufer, der bespuckt, geschlagen und getreten wird und für den es einer Einsatzhundertschaft aus chinesischen Sicherheitsleuten und Polizisten bedarf.

Es war ein Fehler die Spiele nach Peking zu vergeben, die Hoffnungen sind enttäuscht worden. Zu den größten Fehlern die man in Leben machen gehört es, einen gemachten Fehler nicht zu korrigieren.

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Written by Sascha Schubert

April 7, 2008 um 11:46 pm

Veröffentlicht in Nicht kategorisiert

Eine Antwort

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  1. […] um.uns.herum. wrote an interesting post today on Vom Fackellauf zum SpieÃrutenlaufHere’s a quick excerptDie Befürworter argumentieren mit den vielen tausend Hinrichtungsopfern in China, mit Tibet, mit mangelnder Demokratie…. […]


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